Rumpfkennung
Was ist eine Rumpfnummer (HIN oder CIN)?
Von Das VesselBook-Team · Veröffentlicht am 29. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit
Eine Rumpfnummer identifiziert einen einzelnen Bootsrumpf dauerhaft – so wie eine Fahrgestellnummer genau ein Auto identifiziert. Es gibt zwei Systeme, die dir begegnen: die 12-stellige HIN (Hull Identification Number) aus dem US-amerikanischen Raum und die 14-stellige CIN (Craft Identification Number), die CE-gekennzeichnete Sportboote tragen, die seit 1998 auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wurden. Beide erfüllen denselben Zweck: Sie machen einen Rumpf über sein ganzes Leben hinweg eindeutig identifizierbar.
Die Rumpfnummer ist der einzige Teil eines Bootes, der sich nie ändert. Namen ändern sich, Registrierungen ändern sich, Motoren werden getauscht, Eigner kommen und gehen. Der Rumpf und die Nummer, die eingeformt oder fest angebracht ist, bleiben über das ganze Bootsleben gleich.
HIN oder CIN – welches System ist deins?
Für Boote im deutschsprachigen Raum ist das die wichtigste Unterscheidung, und sie wird online oft durcheinandergebracht.
- Die HIN mit 12 Zeichen ist das US- und nordamerikanische System. Sie gilt für Boote, die seit dem 1. November 1972 in den USA gebaut oder dorthin importiert wurden. Wenn du ein aus Nordamerika importiertes Boot hast, trägt es sehr wahrscheinlich eine HIN.
- Die CIN mit 14 Zeichen tragen CE-gekennzeichnete Sportboote, die seit 1998 auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wurden. Sie folgt der Norm ISO 10087.
Ein importiertes Boot kann eine HIN, eine CIN oder sogar beides tragen. Entscheidend ist: Schreib genau das auf, was physisch auf dem Rumpf steht – Zeichen für Zeichen – und nicht das Format, das du erwartet hast.
Was die CIN-Zeichen bedeuten
Die CIN nach ISO 10087 liest sich von links nach rechts so:
- Zeichen 1–2 – der Ländercode. Zwei Buchstaben für das Land des Herstellers (zum Beispiel
DE für Deutschland). - Zeichen 3–5 – der Herstellercode (MIC). Ein dreistelliger Code, der dem Bootsbauer zugeordnet ist.
- Zeichen 6–10 – die Seriennummer des Rumpfes. Die fünfstellige Seriennummer des Herstellers für genau diesen Rumpf.
- Zeichen 11–12 – Baumonat und Baujahr. Ein Buchstabe für den Monat und eine Ziffer für das Jahr der Herstellung.
- Zeichen 13–14 – das Modelljahr.
Der Rumpf wird also in einem Monat gebaut und oft als Modell eines anderen Jahres verkauft – das ist der Grund, warum das „Baujahr“ eines Bootes davon abhängt, welches Jahr genau du meinst.
Was die HIN-Zeichen bedeuten
Bei US-Booten, die nach dem 1. August 1984 zertifiziert wurden, gilt ein einheitliches Muster. Von links nach rechts:
- Zeichen 1–3 – der Herstellercode (MIC).
- Zeichen 4–8 – die Seriennummer des Rumpfes. Fünf Zeichen; die Buchstaben I, O und Q kommen nicht vor, weil sie zu leicht mit 1 und 0 verwechselt werden.
- Zeichen 9 – der Zertifizierungsmonat, ein Buchstabe von
A (Januar) bis L (Dezember). - Zeichen 10 – die letzte Ziffer des Zertifizierungsjahres.
- Zeichen 11–12 – das Modelljahr.
Bei US-Booten, die zwischen November 1972 und August 1984 zertifiziert wurden, waren zwei frühere Muster im Umlauf, bei denen die Datumszeichen an anderer Stelle sitzen. Geh bei einem Rumpf aus den 1970ern nicht davon aus, dass die heutigen Positionen gelten – lass dir das Baudatum lieber vom Hersteller oder aus den Papieren bestätigen, statt es zu entschlüsseln.
Warum die Rumpfnummer wichtiger ist als der Bootsname
Frag zwei Leute nach einem Boot, und du bekommst zwei verschiedene Antworten darüber, welches Boot sie meinen. Ein Name wird überlackiert. Eine Registrierung ändert sich, wenn das Boot den Standort wechselt. Ein Beiboot, ein Kiel und ein ganzer Satz Segel lassen sich alle austauschen.
Die Rumpfnummer ist das, womit sich jeder – Eigner, Gutachter, Werft, Versicherer, Käufer – sicher sein kann, dass alle vom selben Rumpf reden. Genau deshalb sollten Unterlagen, die es wert sind, aufgehoben zu werden, an die Rumpfnummer geknüpft sein und nicht an einen Namen oder eine Registrierung: Dann überstehen sie einen Verkauf, eine Umbenennung und einen Standortwechsel. Wenn du gerade ein Boot in Erwägung ziehst, ist der Abgleich der Nummer mit den Papieren einer der ersten Schritte in was du vor dem Kauf eines gebrauchten Bootes prüfen solltest.
Wo die Rumpfnummer steht
Meist gibt es zwei am Boot. Die primäre Nummer sitzt außen am Rumpf, an der oberen Ecke des Spiegels auf der Steuerbordseite, wo man sie ablesen kann, ohne etwas zu zerlegen. Eine zweite, identische Nummer wird an einer verborgenen Stelle angebracht – in einem Staufach, unter einem Beschlag, unter Deck –, damit sich der Rumpf noch identifizieren lässt, falls der Spiegel beschädigt oder die primäre Nummer entfernt wird.
Dieselbe Nummer sollte auch auf den Papieren des Bootes stehen: auf Registrierungs- oder Flaggendokumenten, den Versicherungsunterlagen und dem Kaufvertrag. Wenn die Papiere nicht mit dem Rumpf übereinstimmen, halt an und klär die Abweichung, bevor Geld fließt.
Für die praktische Suche – auch bei Booten ohne brauchbaren Spiegel, bei Jetskis und Schlauchbooten – siehe Wie du die Rumpfnummer am Boot findest.
Was eine Rumpfnummer nicht verrät
Hier greifen viele Ratgeber im Netz zu weit. Die Nummer selbst codiert den Hersteller, eine Seriennummer und ein Datum. Sie codiert nicht:
- wem das Boot gehört oder wem es früher gehörte,
- ob noch Geld darauf lastet,
- ob es einen Unfall hatte, gesunken oder repariert wurde,
- wie es gewartet wurde.
Nichts davon steckt in den Zeichen. Das existiert – wenn überhaupt – in getrennten Unterlagen: in Registrierungs- und Flaggendokumenten, Gutachten, Werftrechnungen, Versicherungsakten. Eine Rumpfnummer ist der Schlüssel, unter dem diese Unterlagen abgelegt sind, nicht die Unterlagen selbst. Wer dir eine vollständige Historie allein aus einer Nummer verspricht, will dir etwas verkaufen.
Prüf einen Rumpf jetzt
VesselBook führt die Unterlagen eines Bootes zu seiner Rumpfnummer, damit sie beim Rumpf bleiben und nicht bei einem Eigner. Die kostenlose HIN-Abfrage zeigt, was öffentlich zu einem Rumpf hinterlegt ist: seine Identität, ob eine Eignerschaft bestätigt wurde und welche Unterlagen ein Eigner öffentlich gemacht hat. Du brauchst kein Konto, und ein leeres Ergebnis bedeutet einfach, dass noch nichts Öffentliches hinterlegt ist – es ist kein Urteil über das Boot.
Wenn dir das Boot gehört, ist die andere Richtung nützlicher: Unterlagen, die du heute einträgst, werden zur Historie, die der nächste Eigner, Gutachter oder Versicherer tatsächlich sehen kann. Genau das spiegelt der Trust Score wider – wie gut ein Rumpf dokumentiert ist, nicht wie gut das Boot ist.